Ein Zweitetikett, das sich etabliert hat
Ihre Entstehung geht ursprünglich auf das 19. Jahrhundert zurück. Auch das berühmte Château Margaux bietet diese Linie seither an. Aber wirklich etabliert haben sich die Zweitweine auf dem internationalen Weinmarkt erst in den letzten 30 Jahren.
Das Konzept des Zweitweins entstand aus der Notwendigkeit heraus, dass ein Château auch die weniger interessanten und qualitativ nicht ausreichenden Jahrgänge vermarkten musste. Diese wurden in großen Mengen an die Händler verkauft. Durch die Schaffung eines Zweitetiketts war es dem Weinliebhaber möglich einen Wein von angesehener Herkunft zu einem niedrigeren Preis zu erwerben. Auch das Château profitierte von dieser Vermarktungsstrategie. Aber wie ist die aktuelle Situation?
Im Laufe der Jahre wurde das ursprüngliche Konzept von einigen Weingütern so beibehalten, von anderen wurde es modifiziert.…
Für so manchen Weinerzeuger wurde die Vermarktung des Zweitweins gar zu einem festen Standbein im Gesamtkonzept. Die Weingüter verkaufen sie in sehr unterschiedlichen Qualitäten und haben noch eine weitere Kategorie, den Drittwein, etabliert. Aber auch den Zweitweinen kommen die traditionellen Methoden und die fachmännische Handschrift des Winzers bei der Vinifikation zugute. Sie werden jedoch vorrangig aus Parzellen mit jüngeren Rebstöcken gewonnen.
Den Zweitweinen wird oft zu Unrecht der Vorwurf der Mittelmäßigkeit gemacht, sie seien deutlich weniger ausdrucksstark und von minderer Subtilität in der Aromenvielfalt. Aber es kann weder die Rede davon sein, dass sie flach noch fade seien. Vor allem zeichnen sie sich durch einen anderen Stil als der große Wein, der Grand Vin, aus.
Die Weingüter Latour, Léoville-Las Cases, Lafite Rothschild oder Palmer haben den Zweitwein weitestgehend fest in die Produktpalette aufgenommen. Es werden eigens Rebstöcke für diesen Zweck kultiviert und eine individuell entworfene Vinifikation genutzt. Inzwischen werden diese Weine auch zu Preisen angeboten, die denen eines Grand Cru bereits sehr nahekommen. In der Tat entscheiden sich diese Winzer für einen anderen Weg. Der "erste Wein" , der „Premier Vin“ , wird nur dann produziert, wenn der Jahrgang außergewöhnlich gut ist, um sich vom "Zweiten Wein" abzuheben, der jedes Jahr ohnehin produziert wird.
Wichtige Randnotiz: Der Zweitwein, der „Second Vin“, ist hierbei nicht zu verwechseln mit dem „Deuxième Cru Classé“ aus der Klassifizierung von 1855.



